Sarah Bohn

In Vier Wänden

 

25. Nov – 22. Dez.2012

Niklas Schechinger Fine Art, Hamburg

  • untitled
    (from series Happy Palace)
    colour photoprint
    70 x 52,5 cm
    2005/2012
  • untitled (4)
    colour photoprint
    106,6 x 80 cm
    2012
  • untitled (7)
    colour photoprint
    100 x 66,8 cm
    2012
  • untitled (8)
    colour photoprint
    46,8 x 70 cm
    2012
  • untitled (passport)
    colour photoprint
    50 x 70 cm
    2006/2012
  • untitled (O_Blunk)
    colour photoprint
    70 x 46,8 cm
    2006/2012
  • untitled (3)
    colour photoprint
    90 x 60,2 cm
    2012
  • untitled (Pflanze_M)
    colour photoprint
    70 x 52,5 cm
    2005/2012
  • untitled (1)
    colour photoprint
    66,8 x 100 cm
    2012
  • untitled (2)
    colour photoprint
    66,8 x 100 cm
    2012
  • untitled (6)
    colour photoprint
    75 x 112 cm
    2012
  • untitled (M_hoch)
    colour photoprint
    52,5 x 70 cm
    2006/2012
  • untitled (K_Lampe)
    colour photoprint
    70 x 46,5 cm
    2009/2012
  • untitled (5)
    colour photoprint
    104,5 x 70 cm
    2012

Sarah Bohn

IN VIER WÄNDEN

 

Echt langweilig. Da sitzt man und schaut vielleicht zum Fenster und dann wieder auf den Schreibtisch und dann auf den Boden. Alles was man machen will kann noch ein bisschen warten. Und zack, da ist der Moment, in dem man plötzlich die Wand sieht, richtig wahrnimmt und nicht wie sonst mit dem Blick abgleitet. Da ist diese einzigartige Struktur und der Lichteinfall und man spürt fast, wie massiv sie ist und wie real. Überdeutlich wird einem die Existenz dieser blöden Wand bewusst – und die eigene. Unabhängig von allen äußeren Konstruktionen, ganz banal, brutal und wunderschön.

Sarah Bohn hat diese Momente fotografiert. Die daraus entstandenen, sanften Lichtbilder werden in der aktuellen Ausstellung mit Fotos einer verwandten Art von hyperrealer Wahrnehmung kombiniert.

Schnappschüsse von Familientreffen oder einfach aus Langeweile, mit dieser typischen schonungslosen Blitzlichtästhetik, bei denen sofort die Distanz zum gesellschafftlichen Idealbild auffällt. Das ist nicht Hollywood, das ist Günther. Mit seiner Baseballcap von den LA Lakers im Einfamilienhaus in Pinneberg. Bitter – aber auch echt. In dieser Distanz kristallisiert sich plötzlich ungeschminktes Leben heraus. OK, das war jetzt ein bisschen dick aufgetragen, aber Sie wissen was ich meine? Günther ist ein super Typ und alles.

Die seltsame und schmerzhafte Ödnis von vielen Familientreffen. Haus und Gefängnis. Dieser Realitycheck ähnelt der Wahrnehmung der Wand neben dem Schreibtisch. Man kennt das alles schon zu gut und es tut weh und trotzdem ist man geborgen, irgendetwas stimmt.

Es sind Momente von wohligem Aufgehen in der Realität. Sarah Bohn gelingt es nicht nur, Bilder für diese Formen von essentiellem Nichts zu finden, sondern die darin enthaltene harte Schönheit zu zeigen.

Die herrliche Arktis, das unermessliche Meer, die sanften Wogen der Sahara. Die Ambivalenz der vier Wände.

 

Niklas Schechinger