Hans Weigand

Holz den Palästen
02.02. – 08.03.14

Niklas Schechinger Fine Art, Hamburg

  • Demon Brother 1
    ca. 200cm
    carving, acrylic on wood, cloth
    2014
  • Demon Brother 2
    ca. 200cm
    carving, print on wood, cloth
    2014
  • Z On Wood
    315 x 105 cm
    woodcut
    2013
  • Boulevard Of Broken Dreams (Homeless in Bel Air)
    170 x 250cm
    water colour, woodcut
    2013
  • Haus der Mutter...(Bates Motel)
    200 x 165 cm
    mixed media on canvas
    2013
  • Russische Botschaft in Havanna
    185 x 150 cm
    mixed media on canvas
    2014
  • Cosmic Rider 1
    125 x 85 cm
    water colour, woodcut
    2014
  • Cosmic Rider 2
    125 x 85 cm
    water colour, woodcut
    2014
  • Z...
    74 x 50 cm
    woodcut
    2012
  • Guitar Surfer
    122 x 24 cm
    woodcut
    2011
  • Ivo On Wood
    170 x 100 cm
    water colour, woodcut
    2013
  • Poster
    xylography
    70 x 50 cm, 30 + 3 AP
    Made in Havanna by Julién

Holz den Palästen!

Die Erfindung des Holzschnitts, Buchdrucks und der Radierung hat den Aufbruch in die Renaissance nicht minder unaufhaltsam beschleunigt und belebt wie digitale Technologien die Bildproduktion am Ende des 20. Jahrhunderts erneuerten. Dennoch signalisieren die Spuren alter Drucke kaum noch die Kraft, mit der die “sprechenden Blätter” seinerzeit in die Vorstellungswelt eingriffen und den Ideen der Menschen ein unkontrollierbares Forum verschafften. Die Maserung des Holzes oder die groben Konturen in der Schraffur eines Stoffes wirken heute eher als unmoderner Rest, Eigenschaften des veralteten Zeugs, das bestenfalls im bäuerlichen Rahmen noch geschätzt, gepflegt und bewahrt wird.
Hans Weigand durchkreuzt mit der Ausstellung, die am 1. Februar 2014 in den Räumen der Niklas Schechinger Fine Art eröffnet wird, all diese schönen Selbstverständlichkeiten. Seine Leinwanddrucke, geschnitzten Reliefe und Fastnachtsmonster beschwören ohne Umschweife das dörfliche Gewand der Tradition, konfrontieren die Kennzeichen der alten Technologie jedoch ebenso vehement mit den Ikonen einer extrem mobilen Modernität. In der Pigmentschicht seiner Leinwände treffen die Fragmente versunkener Druckerschwärze auf die Beweglichkeit der aktuellsten Photoshop-Programme, begegnet das Idol eines Rockstars der Melancholie des einsamen Silversurfers, vermischt sich der Aufruhr eines hölzernen Faltenwurfs mit der Silhouette des Hauses, in dem Hitchcock den Leichnam der Mutter eines psychotischen Killers am Leben erhielt.
Kein Detail der Oberfläche kann sich in den Objekten des Künstlers seiner Identität oder Funktion sicher sein. Wellen sind möglicherweise aus Feuer und Rauch aufgeschichtet, der friedliche Schlaf eines Heiligen aus dem dicken Fell eines Obdachlosen, die Betonpfeiler blinder Hochhausbürokratie aus dem Holz eines Floßes, das schon lange keinen Schiffbrüchigen mehr an Land trägt. Die Klötzler aus Absam in Tirol werden diesen unberechenbaren Untergrund der Bilder unmittelbar vor Augen führen. Erstmals außerhalb ihres Traditionsgebietes und in einer Holzverkleidung, die von einem Künstler entworfen wurde, zeigen sie in der Ausstellung Holz den Palästen, wie sehr dieser Stoff, in dem Bilder, Instrumente und Möbel vor Jahrhunderten ein neues Gesicht fanden, die Verhältnisse immer noch zum Tanzen bringen kann.
(Text: Roberto Ohrt)

 

– click here to watch video of the opening  –